Homo oecologicus - 5. Interdisziplinäre Universitätstagung

5. Interdisziplinäre Universitätstagung 

Homo oecologicus 

Wie ist ein Menschenbild für die nachhaltige Entwicklung wissenschaftlich möglich ? 

Freitag 3. Dezember 2010 
9.00 (s.t.) – 18.30 Uhr 

Ort: Universität Wien 
-Kleiner Festsaal - 

Anmeldung unter: http://vcc.univie.ac.at

PROLOG 

Die aus der Sicht der Menschen bedenkliche globale Situation der Natur, wie sie sich aktuell in Form der Klimaerwärmung darstellt, aber auch in Form der exzessiven Rodung der tropischen Wälder erkennbar ist, beruht auf dem exzessiven Wachstum der Menschheit als Population und dem unbegrenzten und unkritischen Einsatz von Technik zur Befriedigung der Bedürfnisse. Die Technik wiederum wird aus kurzfristigen Gewinn-Interessen der globalen Wirtschaft eingesetzt, die als funktional dominierendes Teilsystem unserer Gesellschaft andere Wertebereiche dominiert. In dieser Situation ist es schwer, eine Form eines Gleichgewichts zu erlangen, das global eine nachhaltige Entwicklung ermöglicht. Das lassen die politischen Diskussionen zum Klimawandel wie kürzlich in Kopenhagen erkennen: Klimaschutzmassnahmen sind für ärmere Länder nachrangig, es gilt den Hunger zu bekämpfen usw. Grundsätzlich ist das Gebot Energie, Ressourcen usw. zu „sparen“ (bio)ökologisch sinnvoll, doch führt eine verminderte Nachfrage auch zu wirtschaftlichen Problemen bei einer wachstumsorientierten Wirtschaftsordnung. Wirtschaftliche Probleme führen zu sozialen Unruhen, was niemand wünscht. Kurzfristige ökonomische Erfolge belasten häufig die Umwelt, mittelfristige Ökonomie ist mit Ökologie gutverträglich. So sehen zumindest die Argumentationsfiguren im öffentlichen Diskurs aus. 
Auch die wissenschaftliche Diskussion um den „richtigen“ Weg zur nachhaltigen Entwicklung unserer Welt zeigt eine polare Struktur, insofern jeder Problembezug bzw. jede Position mit Hilfe einer bestimmten wissenschaftlichen Disziplin begründet wird – die Klimatologie betont die Technologiebedingtheit der Erderwärmung und kann auch die Folgen der Erwärmung aufzeigen. Ingenieurwissenschaften können die Folgen der Energieverbrauchsprozesse darstellen, die Geowissenschaften können die Ressourcenlage charakterisieren, die Bevölkerungswissenschaft kann die Entwicklung der Bevölkerung beschreiben, die Agrarwissenschaft kann die verfügbare Anbaufläche kalkulieren usw. An einer Zusammenschau der Prozesse in den verschiedenen Bereichen mangelt es aber. Was sollen wir nun tun? 
Als einer der wenigen Forschungsansätze kann die Humanökologie zu solchen Fragen der Optimierung der Mensch-Umwelt-Beziehungen als interdisziplinäre Plattform dienen, die eine integrative Sicht erlaubt. Dabei sind vor allem systemtheoretisch fundierten Simulationsmodelle wie GEOSS hilfreich, die die Wechselbeziehungen zwischen Bevölkerung, Wirtschaft, Ressourcenverbrauch usw. modellieren und es erlauben, Entwicklungen der Welt im Computerlabor zu studieren. Mit dieser Methode werden Szenarien im Sinne von „Was wäre wenn..“ dargestellt und dann entsprechende mögliche Korrekturmaßnahmen identifiziert. 
Bei der Tagung sollen daher verschiedene Aspekte aktueller ökologischer Themen wie der nachhaltigen Entwicklung separat dargestellt werden und dann mit der Brille der Humanökologie betrachtet werden und mögliche allgemeinverbindliche Orientierungen für das Verhalten der Menschen skizziert werden. Es fragt sich dabei auch, welche rechtlichen und bildungsmäßigen Voraussetzungen dazu erforderlich sind. 
Damit ist diese sechste Veranstaltung in der Reihe zum Menschenbild im 21. Jahrhundert auf ein normatives Menschenbild ausgerichtet. 

Besonders der Umstand, dass die neuere Humanökologie Mitte der 1970er Jahre in Wien durch die Initiative von Helmut Knötig wichtige Impulse bekommen hat, und dass es in Wien an der Alpen-Adria-Universität und der Universität Wien möglich ist, einen akademischen Abschluss in Sozialökologie bzw. Humanökologie zu erlangen, lässt Wien als Tagungsort für eine internationale Tagung zu diesem Thema attraktiv erscheinen. 

PROGRAMM 

9.00 Begrüßung / Grußworte der Veranstalter und Sponsoren 

9.20 Prof. Felix TRETTER 
Einführung in die Tagungsreihe und das Tagungsthema 

Moderation: Prof. Felix TRETTER 

9.40 Prof. Bernd SIEBENHÜNER (Ökologische Ökonomie, Oldenburg) 
Menschenbild der nachhaltigen Entwicklung – der „Homo sustinens“ als Homo oecologicus ? 
• der ökologische Imperativ 
• Desiderate umweltfreundlichen Verhaltens 

10.10 Prof. Harald WILFING (Humanökologie, Fak. Lebenswissenschaften, Universität Wien) 
Energiekonsum, CO2-Emission und Nachhaltigkeit 
• Leitgedanken der Nachhaltigkeit 
• Probleme der Umsetzung im Verhalten 

10. 30 DISKUSSION 

10. 45 PAUSE 

Moderation: Dr. Wolfgang SERBSER ((Deutsche Gesellschaft für Humanökologie, Berlin) 

11.20 Prof. Hermann KNOFLACHER / Dr. Harald FREY (Verkehrsplanung, TU Wien) 
Die Perspektive der Ingenieurwissenschaften – Energienutzung im Verkehr 
• Fakten 
• Extrapolationen 
• Verhaltenskonsequenzen 

11.40 Fr. Prof. Helga KROMP-KOLB (Inst. F. Meteorologie, Univ. f. Bodenkultur, Wien ) 
Perspektiven der Klimaforschung und die Implikationen für einen Homo oecologicus 
* Fakten 
* Extrapolationen 
* Verhaltenskonsequenzen 

12.00 DISKUSSION 

12.30 MITTAGSPAUSE 

Moderation: Prof. Johann A. SCHUELEIN 

14. 00 Fr. Prof. Sigrid STAGL, Wirtschaftsuniversität Wien 
Die Perspektive der Ökonomik – wie ökologisch kann Ökonomie organisiert sein? 
* Konflikt Ökologie und Ökonomie 
* andere Formen des (nachhaltigen Wirtschaftens) 

14.20 Prof. Karl-Michael BRUNNER (Wirtschaftsuniversität, Wien) 
Die Perspektive der Soziologie 
* Schicht und Lebensstil als Moderator-Variablen 
* Konsumsoziologie 

14.40 Prof. Rainer MADERTHANER (Dep. Psychologie, Univ. Wien) 
Die Perspektive der Psychologie – umweltschonendes Verhalten 
• Erfahrungen mit umweltfreundlichem Verhalten 
• Schwierigkeiten der Umsetzung 
• Bedeutung von Verboten / Strafen 

15.00 DISKUSSION 

15.30 PAUSE 

Moderation: Prof. Harald WILFING (Humanökologie, Fak. Lebenswissenschaften, Universität Wien) 

16.00 Prof. Peter WEICHHART, Geographie Uni Wien 
Warum ist nachhaltige Entwicklung so schwierig? 
Versuch einer humanökologischen Diagnose. 
* Eigenlogik gesellschaftlicher Teilsysteme 
* Hegemonie des ökonomischen Systems 
* Scheitern mikrosozialer ökologischer Doktrin 

16.20 Prof. Bernhard GLAESER (Deutsche Gesellschaft für Humanökologie, Berlin) 
Brennpunkte der Humanökologie in der Nachhaltigkeitsdebatte 

16.40 Prof. Marina FISCHER-KOWALSKI (Sozialökologie, Alpen-Adria Univ Wien) 
Individueller und sozialer Metabolismus 

Moderation: Dr. Karl-Heinz SIMON (Umweltwissenschaften Univ. Kassel) 

17.00 Dr. Markus KNOFLACHER (Austrian Institute of Technology, Wien) 
Simulations-Modelle und die Systemperspektive – alles hängt mit allem zusammen? 

17.20 DISKUSSION UND ZUSAMMENFASSUNG 
Moderation: Prof. John DITTAMI (Anthropologie, Fak. Lebenswissenschaften, Univ. Wien) 

18.30 ENDE DER TAGUNG 

Trägerschaften, und Kooperationen 
Universität Wien 
- Fakultät für Lebenswissenschaften, Dekan Prof. Horst Seidler 
- Fakultät für Psychologie, Inst. f. Psychologie, Dekan Prof. Germain Weber 
Universität für Bodenkultur Wien 
Internationale Gesellschaft für Interdisziplinäre Studien (IGIS), Prof. Felix Tretter, Dr. Christine Grünhut 
Wirtschaftsuniversität Wien; Department für Sozialwissenschaften, Inst. für Soziologie, Prof. Johann A. Schülein 
Wien Kultur 
Bank Austria 

Koordination und Kontakt: 
Prof. Harald Wilfing, Fakultät für Lebenswissenschaften, Univ. Wien 
Prof. Felix Tretter, Abt. Klinische Psychologie, Univ. München 
Dr. Christine Grünhut, Wien; beide IGIS e.V. 
e-mail: IGIS.Wien@yahoo.de